Entwicklung von kosteneffizienten Strategien zum Erhalt und zur Entwicklung von FFH-Offenlandlebensräumen auf großen Flächen - Erarbeitung, Umsetzung und Evaluierung von Pflegestrategien für das Modellgebiet "Oranienbaumer Heide"

Gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt (ELER-Mittel), Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt
Laufzeit: 01.05.2008 - 31.12.2011
Projektleitung:
Prof. Dr. Birgit Felinks
Prof. Dr. Sabine Tischew
Projektbearbeiterinnen:
Dipl.-Ing (FH) Antje Lorenz
B. Sc. (FH) Susanne Osterloh
Projektpartner:
Primigenius - Köthener Naturschutz und Landschaftspflege gGmbH
Biosphärenreservat "Mittelelbe"
Förder- und Landschaftspflegeverein Biosphärenreservat "Mittelelbe" e.V.
Kooperationspartner:
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb "Mittelelbe"
Naturstiftung David
Projektziele
Bei dem Natura 2000-Gebiet "Mittlere Oranienbaumer Heide" (DE 4240-301; F168/S32) handelt es sich um ein bis 1992 als Truppenübungsplatz genutztes Gebiet, welches durch das großflächige Vorkommen von FFH-relevanten Offenlandlebensraumtypen gekennzeichnet ist. Dazu zählen v.a. Trockene europäische Heiden (LRT 4030) und Basenreiche Sandrasen (LRT 6120), mit geringerem Flächenanteil auch Silbergraspionierfluren (LRT 2330) und Heiden auf Binnendünen (LRT 2310). Des weiteren besitzen die Offenlandbiotope in dem ca. 1.000 ha großen zentralen Bereich des Gebietes aufgrund der vorherrschenden Lebensraumstrukturen eine landesweite Bedeutung für die Avifauna. Aufgrund seiner überregionalen Bedeutung wurde das Gebiet weiterhin zum "Nationalen Naturerbe" erklärt. Die Oranienbaumer Heide befindet sich derzeit noch im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Seit April 2009 ist die DBU Naturerbe GmbH für die Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich.
Nach Aufgabe der militärischen Nutzung wurden nur sporadisch und kleinflächig Maßnahmen zur Offenhaltung durchgeführt, so dass das Gebiet zum Projektbeginn im Jahr 2008 erhebliche Pflegedefizite aufwies und durch zunehmende Verbuschung, Vergrasung, Ruderalisierung und Überalterung der Besenheide (Calluna vulgaris) gefährdet war.

In dem Modellgebiet Oranienbaumer Heide wird deshalb zur Einhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der oben genannten FFH-Lebensraumtypen des Offenlandes sukzessive eine extensive Ganzjahresstandweide mit Robustrassen (Heckrinder, Konikpferde) eingerichtet. Vermittels dieses Ansatzes soll einerseits der prozentuale Anteil verschiedener Lebensraumtypen durch Initiierung von dynamischen Prozessen erhalten werden, ohne einseitig die Initial- und Pionierstadien zu fördern. Andererseits sollen Pflegestrategien entwickeltet werden, die langfristig in landwirtschaftliche Nutzungsstrukturen eingebunden werden können und die auch die Belastung mit Munition aus der militärischen Nutzung berücksichtigen.
Beweidungsprojekte mit großen Pflanzenfressern wurden in den letzten Jahren in vielen verschiedenen Lebensräumen Deutschlands initiiert. Im Rahmen des Modellprojektes in der Oranienbaumer Heide wird jedoch erstmals eine extensive Beweidung mit Robustrindern und -pferden in einem subkontinental geprägten Sandökosystem im Mitteldeutschen Raum getestet und umfassend wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung liegt der Fokus auf folgenden Fragestellungen:
- Wie wirken sich die Maßnahmen auf den Flächenumfang und die -verteilung der FFH-Lebensraumtypen aus?
- Welches Raumnutzungsverhalten und welche Habitatpräferenzen zeigen Rinder und Pferde im Weidegebiet?
- Wie wirkt sich die Beweidung auf den Zustand (Vegetationsstruktur, Artenzusammensetzung) der verschiedenen Lebensraumtypen aus?
- Wie wirkt sich die Beweidung auf faunistische Artengruppen (Avifauna, Tagfalter, Heuschrecken, Spinnen) aus?
- Wie können für ehemals militärisch genutzten Gebiete landwirtschaftliche Fördermittel (ELER-Mittel) in Anspruch genommen werden, damit extensive Nutzungsformen auch für den Betrieb rentabel sind?
- Wie kann das Projekt in die Regionalentwicklung und Umweltbildung eingebunden werden?
Abschließend ist die Erarbeitung eines übertragbaren Leitfadens zum Umgang mit großflächigen FFH-Offenlandlebensräumen vorgesehen.
